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Neues Jahr - neues Glück? Auf der Suche nach dem oder der Richtigen

Januar 2014

Hand aufs Herz - wieviele von Ihnen haben sich zu Silvester gewünscht, dieses Jahr endlich den Richtigen oder die Richtige zu finden?
Und dabei ist genau diese Vorstellung häufig der Grund, warum wir noch keinen Partner gefunden haben. Die Medien bombardieren uns tagtäglich mit Vorstellungen davon, wie man den/die Richtige/n findet, wie man ihn/sie erkennt und vor allem mit der Vorstellung, dass alles wie von selbst läuft, wenn man ihn/sie erstmal gefunden hat, da diese Person uns alle unsere Wünsche von den Augen abliest, uns glücklich macht, unsere innersten Sehnsüchte erfüllt und wir ohne ihn/sie ab sofort nicht mehr leben können. Stimmt's?!
Aber was ist denn jetzt so falsch an der Vorstellung, dass es den einen Richtigen oder die eine Richtige für uns gibt? Wieso ist die Suche nach unserer "besseren Hälfte", die uns vervollständigt, eine Falle?
Die Vorstellung, dass es genau eine Person gibt, die "perfekt" für uns ist, würde voraussetzen, dass die Menschen in Paaren auf die Welt kommen, d.h. dass immer ein Junge und ein Mädchen geboren werden, die als Erwachsene perfekt zueinander passen werden. Dies wäre natürlich schon allein aus der Tatsache heraus ungerecht, dass weltweit gesehen auf 100 Frauen 105 Männer kommen. Das würde ja dann bedeuten, dass 350 Millionen Männer ohne eine "Seelenverwandte" auf die Welt kommen würden.
Und dann wäre es rein logistisch gesehen auch noch ziemlich problematisch, denn wer garantiert denn, dass man unter sieben Milliarden Menschen ausgerechnet den einen oder die eine Richtige findet?
Diese Gedanken erstmal zum Hintergrund, um ein wenig die logischen Schwächen hinter diesem Konzept aufzuzeigen. Problematisch wird es dann im Alltag, wenn wir uns mit diesem Gedanken im Hinterkopf auf die Partnersuche machen. Denn einerseits stellen wir damit Ansprüche an einen potenziellen Partner, den dieser unmöglich erfüllen kann, andererseits verleitet es uns dazu, bei der kleinsten Schwierigkeit die Beziehung aufzugeben und uns zu trennen, da der andere offensichtlich doch nicht unser Seelenverwandter ist. Und so schlittern wir von einer kurzen Beziehung in die nächste, immer in der Hoffnung, dass der oder die Nächste nun endlich unsere bessere Hälfte ist. Doch diese Hoffnung wird immer wieder zerschlagen, da es sich bei einer Beziehung zwischen zwei Menschen immer um zwei Individuen mit ganz eigenen Vorlieben, Eigenschaften, Stärken und Schwächen handelt, die natürlich mal mehr mal weniger gut zusammen passen, aber nie perfekt übereinstimmen.
Was können wir gewinnen, wenn wir die Hoffnung auf den Richtigen oder die Richtige aufgeben? Wir gewinnen die Chance, einen echten Menschen kennenzulernen, mit Stärken und Schwächen, mit Wünschen, Hoffnungen und Träumen, mit wunderbaren Eigenschaften, die uns verzaubern können und Unvollkommenheiten, die uns vielleicht manchmal verrückt machen werden. Wir legen die rosarote Brille ab und begegnen einem Menschen, der genauso wenig perfekt ist, wie wir selbst es sind, aber der bereit ist, mit uns den Weg zu gehen. Die Entwicklung zu einem "perfekten Paar" liegt dann in unser beider Hände, indem wir uns anstrengen, jeden Tag ein wenig besser sein zu lassen als den Tag zuvor, uns gegenseitig zu unterstützen und zu helfen, zu lernen, das Beste ineinander zu sehen und zu fördern und Schritt für Schritt, durch Höhen und Tiefen, durch glückliche und verzweifelte Momente, durch Prüfungen und Herausforderungen zu Menschen zu werden, die in der Lage sind, einen anderen Menschen mit all seinen Unvollkommenheiten zu lieben und uns selbst mit all unseren Unvollkommenheiten lieben zu lassen.